10 Jun 2026

Das Gericht der Europäischen Union hat in der Rechtssache C-440/23 klargestellt dass deutsche Spieler zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung verlorener Einsätze bei Online-Glücksspieldiensten geltend machen können die vor den regulatorischen Änderungen im Jahr 2021 in Deutschland illegal waren und diese Möglichkeit besteht auch nachdem nationale Gesetze angepasst wurden.
Die Entscheidung betont dass EU-Recht solche Restitutionsansprüche nach nationalen Vorschriften zulässt und sie nicht durch nachträgliche Legalisierung ausschließt was Betreibern in laufenden oder künftigen Verfahren erhebliche Haftungsrisiken eröffnet.
Die Klage betrifft Einsätze die vor Juli 2021 getätigt wurden als Online-Casinos in Deutschland einem weitgehenden Verbot unterlagen und Spieler wandten sich an deutsche Gerichte um Erstattungen zu erhalten während Betreiber argumentierten die spätere Regulierung habe rückwirkende Ansprüche ausgeschlossen. Das Verfahren gelangte schließlich zum EuGH der die Frage prüfte ob EU-Recht nationale Restitutionsregeln blockiert und dabei stellte sich heraus dass die unionsrechtlichen Vorgaben keine solche Sperrwirkung entfalten.
Deutsche Vorschriften erlauben es Verbrauchern unter bestimmten Bedingungen gezahlte Beträge zurückzufordern wenn die zugrunde liegenden Verträge gegen gesetzliche Verbote verstoßen und das Urteil bestätigt diese Möglichkeit ohne sie durch europäische Harmonisierungsbestrebungen einzuschränken.
Richter am Gerichtshof stellten fest dass Mitgliedstaaten ihre eigenen zivilrechtlichen Mechanismen zur Rückabwicklung illegaler Transaktionen beibehalten dürfen und die bloße Änderung der Rechtslage nach dem Zeitpunkt der Wette keine automatische Verjährung oder Ausschlusswirkung auslöst. Die Entscheidung bezieht sich ausdrücklich auf Wetten und Spiele die zum Zeitpunkt ihrer Durchführung gegen deutsches Recht verstießen und sie unterscheidet klar zwischen der Legalisierung künftiger Angebote und der Behandlung vergangener Sachverhalte.
Ein zentrales Element bildet die Feststellung dass EU-Recht keine Harmonisierung der zivilrechtlichen Folgen illegaler Glücksspieldienstleistungen vorschreibt und daher nationale Gerichte frei entscheiden können ob und in welchem Umfang Erstattungen erfolgen. Betreiber sehen sich damit konfrontiert dass Verträge die einst nicht durchsetzbar waren nun doch Grundlage für Schadensersatzklagen bilden können.
Unternehmen die vor 2021 Online-Glücksspiele in Deutschland angeboten haben müssen nun mit einer möglichen Welle von Zivilklagen rechnen und erste Verfahren zeigen bereits dass Gerichte die EuGH-Vorgaben bei der Prüfung von Erstattungsansprüchen heranziehen. Die Haftung beschränkt sich nicht auf Gewinne sondern erfasst in vielen Fällen die reinen Einsätze sodass Summen in erheblichem Umfang zusammenkommen können.
Rechtsexperten beobachten dass die Klarstellung des EuGH Betreibern die Strategie erschwert sich auf eine nachträgliche Legalisierung zu berufen und stattdessen verstärkt auf Einzelfallprüfungen sowie Verjährungsfragen setzen müssen. In Juni 2026 verzeichnen mehrere Landgerichte eine Zunahme entsprechender Klageeingänge die auf das Urteil zurückgeführt werden.

Die Pressemitteilung Nr. 53/26 des Gerichtshofs fasst die wesentlichen Erwägungen zusammen und verweist auf die PRESS RELEASE No 53/26 – Judgment of the Court in Case C-440/23 als zentrale Informationsquelle für die genaue Begründung. Nationale Gerichte behalten die Kompetenz Einzelfragen wie Verjährung oder Mitverschulden zu entscheiden während der EuGH lediglich die unionsrechtliche Zulässigkeit der Restitutionsansprüche bestätigt.
Beobachter stellen fest dass vergleichbare Konstellationen in anderen Mitgliedstaaten ähnliche Entwicklungen auslösen könnten und die Entscheidung damit über Deutschland hinaus Signalwirkung entfaltet. Die Trennung zwischen regulatorischer Legalisierung und zivilrechtlicher Rückabwicklung bleibt ein wiederkehrendes Thema in der europäischen Glücksspielrechtsprechung.
Das Urteil schafft keine neuen materiellen Ansprüche sondern bestätigt die Anwendbarkeit bestehender nationaler Regeln und eröffnet damit den Weg für Spieler ihre Verluste aus der Zeit vor der Regulierung 2021 zivilgerichtlich geltend zu machen. Betreiber sehen sich erhöhten Prozessrisiken gegenüber und müssen ihre Rückstellungen sowie Verteidigungsstrategien entsprechend anpassen.
Die Rechtssache C-440/23 hat die rechtlichen Rahmenbedingungen für Rückerstattungsklagen bei vormals illegalen Online-Wetten in Deutschland verbindlich geklärt und Betreiber sowie Spieler orientieren sich nun an dieser Vorgabe bei der Bearbeitung bestehender und künftiger Fälle. Die Entscheidung bleibt auf den Zeitraum vor den gesetzlichen Änderungen 2021 beschränkt und beeinflusst damit gezielt die Abwicklung historischer Sachverhalte.